Die Schweiz verfügt über öffentliche LiDAR-Daten, die zu den besten der Welt gehören, und sie sind gratis. Für den Kontext Ihrer Parzelle, das Gelände und die Dächer genügt swissSURFACE3D oft. Für das Gebäude selbst (präzise Fassaden, Innenräume, BIM-Modell ab LOD 200) braucht es einen eigenen Scan: Die öffentlichen Daten sind rund tausendmal weniger dicht, als ein brauchbares Modell verlangt.
Diese Frage hören wir regelmässig von Bauherrschaften aus der Westschweiz: «Die Daten gibt es doch schon, oder?» Die ehrliche Antwort: ja und nein. Dieser Artikel zeigt, was das öffentliche LiDAR der Schweiz abdeckt, wo es aufhört und wie Sie entscheiden, auch dann, wenn Ihnen ein Dritter bereits eine Punktwolke geliefert hat.
Was das öffentliche LiDAR der Schweiz abdeckt
swisstopo veröffentlicht frei zugänglich (Open Government Data, seit 2021) mehrere Produkte aus flugzeuggestützten LiDAR-Kampagnen:
- swissSURFACE3D: die klassifizierte Rohpunktwolke (Boden, Vegetation, Gebäude, Wasser, Brücken), geliefert in LAS/LAZ-Kacheln. Mindestdichte 5 Punkte/m² (im Mittel 15 bis 20 Punkte/m²; die laufende Aktualisierung zielt auf mindestens 15 Punkte/m²), Genauigkeit ±20 cm in der Lage und ±10 cm in der Höhe (Werte 1 Sigma).
- swissALTI3D: das daraus abgeleitete digitale Geländemodell im 0,5-m-Raster.
- swissBUILDINGS3D 3.0: die Gebäudevolumen mit Dachformen, abgeleitet aus dem LiDAR.
Die erste landesweite Befliegung ist abgeschlossen, und swisstopo plant eine Aktualisierung in sechs Etappen zwischen 2024 und 2029, also einen Zyklus von rund 6 Jahren pro Region. Einige Kantone veröffentlichen zusätzlich eigene, dichtere oder aktuellere Kampagnen: In Genf erreicht die kantonale LiDAR-Befliegung 2023 des SITG eine Mindestdichte von 100 Punkten/m²; im Kanton Waadt stammen die publizierten Daten (Kampagnen 2018-2019) aus dem Bundesprogramm, mit denselben Spezifikationen.
Konkret erlauben diese Daten bereits viel:
- Standortkontext: Ihr Projekt in seine reale Umgebung einbetten (Gelände, Nachbargebäude, Vegetation) für eine Machbarkeitsstudie oder eine Visualisierung zum Baugesuch.
- Dächer: Geometrie und Ausrichtung der Dachflächen, Grundlage von Werkzeugen wie sonnendach.ch für das Solarpotenzial.
- Gelände: Höhenkurven, Profile, Aushubkubaturen im Vorprojekt.
- Quartiermodell LOD 100: korrekte Volumen, um die Setzung zu bearbeiten.
Alles lässt sich gratis auf map.geo.admin.ch herunterladen. Wenn Ihr Bedarf dort endet, brauchen Sie uns nicht. Und das ist völlig in Ordnung.
Wo das öffentliche LiDAR aufhört: beim Gebäude selbst
Ein flugzeuggestütztes LiDAR betrachtet das Gelände von oben. Drei direkte Folgen:
- Keine Innenräume. Der Strahl durchdringt keine Dächer. Für Grundrisse, Flächen nach SIA 416, ein Sanierungsmodell: nichts.
- Fassaden fehlen fast vollständig. Von oben gesehen liegen die Fassaden im streifenden Winkel: einige verstreute Punkte, keine Fensterleibungen, keine Stärken, keine Verzierungen. Eine verlässliche Ansicht lässt sich daraus nicht ableiten.
- Zu geringe Dichte für BIM. Mit ~5 Punkten/m² und ±10–20 cm Genauigkeit liegt man drei Grössenordnungen unter dem, was ein Modell ab LOD 200 verlangt: Ein terrestrischer Scanner vom Typ RTC360 erzeugt lokal Zehntausende von Punkten pro m² mit Millimeter- bis Zentimetergenauigkeit. Eine Wand mit ±20 cm zu modellieren heisst, nicht zu wissen, ob sie 15 oder 45 cm dick ist.
Kurz gesagt: Das öffentliche LiDAR beschreibt die Hülle des Territoriums, nicht das Objekt Gebäude. Sobald Ihr Lieferergebnis ein Revit- oder Archicad-Modell des Bestands ist, vermasste Pläne, Schnitte und Fassaden oder eine Flächentabelle, müssen die Daten vor Ort erfasst werden. Unser Leitfaden 3D-Scan eines Gebäudes: Technologien, Genauigkeit, Anwendungen beschreibt die Technologien (statischer Scan, mobiler Scan, Photogrammetrie) und ihre jeweiligen Genauigkeiten.
Dieselbe Logik für eine Punktwolke, «die es schon gibt»
Häufige Variante: «Ein Anbieter hat bereits gescannt, hier ist die E57-Datei.» Das kann eine gute Nachricht sein: Eine bestehende Punktwolke von guter Qualität erspart es, die Erfassung zweimal zu bezahlen. Bevor wir die Modellierung starten, prüfen wir sie aber systematisch nach vier Kriterien:
- Dichte: Gibt es überall genügend Punkte, auch in der Höhe, in den Ecken und in den Technikräumen? Eine Punktwolke, die im Erdgeschoss dicht und im Dachgeschoss dürftig ist, erlaubt kein einheitliches LOD.
- Überlappung: Wird jede Zone von mehreren Standpunkten aus gesehen? Schattenzonen (hinter einem Möbel, unter einer Treppe) werden zu Modellierungsannahmen, also zu Risiken.
- Rauschen: Geisterpunkte, Reflexionen auf Verglasungen, Oberflächen, die mehrere Zentimeter «dick» sind. Eine verrauschte Punktwolke lässt den Modellierer bei jeder Wand über die reale Position zweifeln.
- Registrierung: Sind die Standpunkte sauber zusammengefügt? Doppelte Wände oder treppenförmig versetzte Böden verraten eine misslungene Registrierung. Und keine Modellierung kann das ausgleichen.
Ein realer Fall: Ein Kunde bat uns, eine bestehende E57-Datei eines landwirtschaftlichen Gebäudes im Kanton Waadt in Archicad-Dateien zu überführen. Unsere Analyse ergab, dass die Qualität der Punktwolke für eine korrekte Nutzung ungenügend war. Wir lehnten es ab, darauf zu modellieren, und empfahlen eine vollständige Neuaufnahme. Die Aufnahme wurde wiederholt, das Archicad-Modell mit seinem BIMx-Modell geliefert. Auf einer schlechten Punktwolke zu modellieren hätte in der Offerte weniger gekostet und beim ersten Konflikt auf der Baustelle sehr viel mehr.

Wenn man Ihnen eine Punktwolke liefert, senden Sie sie uns vor jeder Bestellung zu: Die Prüfung gehört zur Projektklärung, wie sie unser Muster-Pflichtenheft für die Bestellung einer 3D-Aufnahme beschreibt.
Der Entscheidungsbaum
| Ihr Bedarf | Öffentliche Daten swisstopo | Bestehende Punktwolke (Dritte) | Eigener Scan |
|---|---|---|---|
| Standortkontext, Quartiermodell LOD 100 | Ja | n/a | Unnötig |
| Solarstudie, Dachgeometrie | Ja (sonnendach.ch) | n/a | Selten |
| Gelände, Erdarbeiten im Vorprojekt | Ja (swissALTI3D) | n/a | Bei Toleranz < 10 cm |
| Vermasste Fassaden, Ansichten | Nein | Bei bestandener Prüfung | Ja |
| Grundrisse, Flächen nach SIA 416 | Nein | Bei bestandener Prüfung | Ja |
| BIM-Modell LOD 200+ des Bestands | Nein | Bei bestandener Prüfung | Ja |
In der Praxis genügen drei Fragen:
- Betrifft das Lieferergebnis das Territorium oder das Gebäude? Territorium → beginnen Sie bei swisstopo, das ist gratis.
- Gibt es bereits eine Punktwolke? Ja → Prüfung von Dichte / Überlappung / Rauschen / Registrierung vor jedem Entscheid.
- Andernfalls → eigener Scan, dimensioniert auf das angestrebte LOD und die erwarteten Lieferergebnisse. Beides lässt sich übrigens sehr gut kombinieren: eigener Scan für das Gebäude, swissSURFACE3D, um das Modell in seinen Kontext zu setzen.
FAQ
Sind die LiDAR-Daten von swisstopo wirklich gratis? Ja. Seit 2021 sind swissSURFACE3D, swissALTI3D und die meisten Geodaten des Bundes frei zugänglich (Download auf map.geo.admin.ch) und im Rahmen der OGD-Bedingungen auch kommerziell nutzbar.
Kann ich mein Baugesuch allein mit den öffentlichen Daten einreichen? Für den Kontext (Gelände, Nachbarn, Baumasse) oft ja. Für das umzubauende Gebäude selbst brauchen Sie eine präzise Bestandsaufnahme. Die Luftdaten liefern weder Innenräume noch verlässliche Fassaden.
Lässt sich aus swissSURFACE3D ein BIM-Modell erzeugen? Eine Volumetrie des Quartiers in LOD 100, ja. Ein Modell des Gebäudes ab LOD 200, nein: Dichte und Genauigkeit fehlen um etwa den Faktor tausend.
Man hat mir eine E57-Datei übergeben: Wie weiss ich, ob sie brauchbar ist? Vier Kriterien: Dichte, Überlappung, Rauschen, Registrierung. Senden Sie uns die Datei: Wir prüfen sie vor der Kalkulation und sagen Ihnen ehrlich, ob sie trägt oder ob neu gescannt werden muss. Es ist uns schon vorgekommen, dass wir eine Punktwolke abgelehnt und eine vollständige Neuaufnahme empfohlen haben.
Was kostet ein eigener Scan? Das hängt von der Fläche, dem Produkt (nur Scan oder Scan + Modell) und dem Detaillierungsgrad ab. Die Preisspannen für die Westschweiz sind in unserem Artikel Was kostet eine 3D-Aufnahme in der Westschweiz? aufgeführt. Oder Sie lassen den Preis direkt für Ihr Gebäude berechnen.
Ihr Projekt braucht mehr als die öffentlichen Daten? Konfigurieren Sie Ihre Aufnahme (Fläche, Lieferumfang, Detaillierungsgrad) und erhalten Sie in 2 Minuten eine Offerte: studiobim.ch/devis. Um zu verstehen, was ein eigener Scan genau liefert, siehe auch unsere Seite Nur 3D-Scan.